Navigation und Service

Logo: Bundesministerium des Innern (Link zur Startseite)

20 Jahre friedliche Revolution und deutsche Einheit

Heute vor 20 Jahren

Sturm auf die Normannenstraße

Am 15. Januar 1990 stürmten tausende Demonstranten die Stasi-Zentrale in der Ost-Berliner Normannenstraße. Damit fiel die letzte Bastion der DDR-Staatssicherheit. Zuvor hatten Oppositionelle zahlreiche Bezirkszentralen besetzt und auf regionaler Ebene den Apparat bereits lahmgelegt.

Die Besetzungswelle führte zu einem großen Druck auf die Machthaber. Wolfgang Schwanitz, Nachfolger von Erich Mielke im Amt des Ministers für Staatssicherheit, und Regierungschef Hans Modrow hofften zunächst noch, zumindest Teile des Amts für Nationale Sicherheit (bis 17.11.89: Ministerium für Staatssicherheit) in den Aufbau eines neuen Verfassungsschutzes und Nachrichtendienstes der DDR hinüber retten zu können. Mit dieser Vorstellung konnten sie sich nicht durchsetzen; sie scheiterte am Widerstand der Bevölkerung. Am 14. Dezember 1989 beschloss der Ministerrat die Auflösung des Amts für Nationale Sicherheit. Mitte Januar 1990 verständigte er sich zudem darauf, vor der geplanten Wahl der neuen Volkskammer keinen Verfassungsschutz mehr aufzubauen. Diesen Entschluss teilte Modrow persönlich dem zentralen Runden Tisch am 15. Januar mit.
Zeitgleich kam es in Berlin- Lichtenberg zu Unruhen. Wenige Tage zuvor, am 10. Januar 1990, hatte das Neue Forum Berlin für den 15. Januar zu einer "Aktionskundgebung" vor der Stasi-Zentrale aufgerufen. Parolen waren: "Sofortige Schließung aller Stasi-Einrichtungen", "Hausverbot für alle Stasi-Mitarbeiter" und "Keine Bildung von neuen Geheimdiensten". Die Teilnehmer an der Kundgebung wurden aufgefordert, "Farbe und Spraydosen" mitzubringen, aber auch "Kalk und Mauersteine".
Den regionalen Bürgerkomitees zu Auflösung der Staatssicherheit dauerte der Prozess in Berlin zu lange. So wurde beschlossen, am 15. Januar die Kontrolle über die Berliner Zentrale zu übernehmen. Die Übergabe verlief zunächst geordnet; die Mitarbeiter der Stasi-Zentrale waren auf das Erscheinen des Bürgerkomitees vorbereitet. Während in der Stasi-Zentrale verhandelt wurde, versammelten sich vor ihren Toren tausende Demonstranten, die von dem Geschehen im Inneren des Gebäudekomplexes nichts ahnten. Am frühen Abend konnte dem Druck der Massen nicht mehr standgehalten werden. Das Tor wurde geöffnet. Tausende strömten in das Innere der Stasi-Zentrale. Diese Aktion von Bürgerrechtlern aus der ganzen DDR und vieler Berliner bedeutete das politische Ende der Staatssicherheit. Am 8. Februar beschloss das Kabinett die Bildung eines „Komitees zur Auflösung des ehemaligen Amtes für Nationale Sicherheit". Die Auflösung der Staatssicherheit wurde damit unter zivile Kontrolle gestellt.

Am 15.1.1990 stürmten DDR-Bürger die Stasi-Zentrale in Berlin + Bundesarchiv, Bild 183-1990-0116-01/Thomas Uhlemann


Diese Seite:

© Bundesministerium des Innern - 2009-2012